Landesausstellung 20.16 in Neumarkt am Wallersee: Auseinandersetzung mit Flucht und Vertreibung

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Von hier und dort Neumarkt am Wallersee Landessausstellung 2016
Beim Festakt in der alten Hauptfeuerwache: von links: DI Adi Rieger (Bürgermeister), Mag. Michael Weese (Museum Fronfeste), Landesrätin Mag.a Martina Berthold, Ingrid Weydemann MAS (Museumsleiterin), Dr. Brigitta Pallauf (Landtagspräsidentin) und Dr. Ulrich Sinnißbichler (Obmann Museumsverein Fronfeste), im Hintergrund die Trachtenmusikkapelle Neumarkt am Walleree

Salzburg | Flachgau | Neumarkt am Wallersee Aktuell die Botschaft „Von hier. Und dort“ des Titels der gelungenen Ausstellung im Museum in der Fronfeste in der Flachgauer Stadt Neumarkt am Wallersee, die Teil der Landesausstellung 20.16 ist. Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung am 19. Mai 2016 erläuterten Landesrätin Mag.a Martina Berhold, Landtagspräsidentin Dr. Brigitta Pallauf, Bürgermeister Dipl.-Ing. Adi Rieger und einer der geistigen Schöpfer dieser Ausstellung und wissenschaftlicher Leiter im Landesmuseum Burgenland, Mag. Michael Weese, in ihren Reden ihre Blickwinkel zum Thema dieser Schau von „Geschichte(n) von Migration und Integration im Salzburger Land.“   Alle Bilder vom Eröffnungsabend unter diesem Link

Neumarkt war seit jeher Drehscheibe von Flüchtlingen

Bildmitte: Isabelle Blanc (Ausstellungsgestaltung “toikoi_erzählende räume“)

In seinen Begrüßungsworten meinte Bürgermeister Adi Rieger, er sei stolz darauf, dass die junge Stadt Neumarkt am Wallersee Teil der Landesausstellung 20.16 sei. Und er sei stolz auf den so aktiven Museumsverein unter Leitung des Obmanns Dr. Ulrich Sinnißbichler, dem es gelungen ist, diese Ausstellung nach Neumarkt zu bringen. Sie zeigt die lokale Geschichte professionell aufgearbeitet.

In seiner bemerkenswerten Rede wies Mag. Weese darauf hin, dass in der Ausstellung „die Flucht als prägendes biografisches Ereignis anhand der Kriegserlebnisse – Erster Weltkrieg – des aus Thalham stammenden Johann Sinnhuber rekonstruiert, und die Vertreibung von Menschen rekonstruiert wird, die seit Generationen hier gelebt hatten und deren Leben in den 1930er und 1940er Jahren aufgrund der politischen Radikalisierung nun von Ablehnung und Abschiebung, von Verfolgung und Vertreibung bestimmt waren. Die durch den Zweiten Weltkrieg ausgelösten Fluchtbewegungen erreichten in den 1940er Jahren auch Neumarkt – für Umsiedler aus Südtirol wurden in Neumarkt – auf enteigneten Gründen – Wohnbauten errichtet, „Volksdeutsche“ aus dem Sudetenland und aus Ungarn fanden vorübergehend oder dauerhaft hier Aufnahme, Kinder aus den von Luftangriffen betroffenen Städten Westdeutschlands wurden in jenen Jahren ins ungefährdete Neumarkt verschickt. Zu Kriegsende befanden sich mehr als 2 000 Flüchtlinge in Neumarkt-Köstendorf.“

Die komplette Rede können Sie unter diesem Link nachlesen.

Zwei Kastanien als Erinnerung

Landesrätin Mag.a Berthold betonte, dass heute bei der Begegnung mit Asylwerbern die Loslösung von Nummern hin zu den Namen dieser Menschen ein zentrales Anliegen und wichtiger Schritt zur Eingliederung dieser Menschen in unser Leben darstellt. „Die Auseinandersetzung mit Flucht und Vertreibung bewegt diese Tage viele Salzburgerinnen und Salzburger. Die Ausstellung liefert einen wichtigen Beitrag zur bewussten Auseinandersetzung mit dem Thema der Migration. Sie regt zum Nachdenken an“, so Landesrätin Berthold.

Museumsleiterin Ingrid WeydemannMAS mit dem Künstler Farshido Larimian, der seine Installationen erklärt

Beeindruckt zeigte sich die Landesrätin von der Kunst-Installation „Pocket Memories“ des iranischen Künstlers Farshido Larimian. Der persische Künstler installierte Erinnerungsstücke, die Menschen auf der Flucht aus ihrer alten Heimat mitnahmen. Und Berthold überlegte sich, was sie wohl als Erinnerungsstück mitnähme, müsste sie flüchten. Sie fand dazu beim Anziehen in ihrer Jackentasche zwei Kastanien – diese wären ihre Erinnerungsstücke an ihre Heimat.

„Die Ausstellung greift nicht nur das aktuell präsente Thema Migration und Integration auf, sie spürt auch der Frage nach Zugehörigkeiten und Identitäten nach. Migration ist kein Phänomen der Gegenwart, sondern ist Teil der Menschheitsgeschichte und auch Teil von Neumarkt“, so Landtagspräsidentin Dr. Pallauf, die auf die „besondere Bedeutung der Regionalmuseen, nicht nur heuer im Jubiläumsjahr 2016“ hinwies.

Der Amtmann bei seiner „Belehrung“ des Bürgermeisters von Neumarkt am Wallersee

„Er hat jetzt still zu sein und merke auf, …“

Museumsleiterin Ingrid Weydemann MAS und der Obmann des Museumsvereins Fronfeste, Dr. Ulrich Sinnißbichler

Die Museumsleiterin Ingrid Weydemann MAS, die maßgeblich an Idee, Konzept und Umsetzung der Ausstellung mitgewirkt hat, und der Obmann des Museumsvereins Fronfeste, Dr. Ulrich Sinnißbichler, freuten sich über den Andrang bei der Eröffnung der Ausstellung am Abend des 19. Mai 2016. Diese fand in weiser Voraussicht des zu erwartenden Publikumsinteresses in der alten Feuerwehr statt, da das Museum dafür zu klein gewesen wäre.

Der Festakt in der alten Hauptfeuerwache wurde vom Quartett der Trachtenmusikkapelle Neumarkt am Wallersee und Leonardo Bartolovic, der Musik aus Kroatien, Italien und Bosnien spielte, musikalisch umrahmt. Der Rotary Club Neumarkt-Wallersee sorgte für das leibliche Wohl, die Erlöse des Verkaufs werden dem Museum in der Fronfeste zugutekommen.

Der Rotary Club Neumarkt-Wallersee sorgte für die Verköstigung

Unterhaltsam war der Auftritt der Theatergruppe Neumarkt am Wallersee mit dem zeitgenössischen Stück um 1816, „Grenzwatsch’n“, in dem es um eine Streiterei zwischen einer „Häuslerin“ und einem Bäcker ging. Ein Zeughaus der Feuerwehr gehört jeweils zur Hälfte den Streithanseln, die nun jeweils den gesamten Besitz verlangten. Der Amtmann, dargestellt von Rupert Lenzenweger, verbat sich zu Beginn die Einmischung von Bürgermeister Adi Rieger in „seine Amtshandlung“: „Er hat jetzt still zu sein und merke auf, damit er in 200 Jahren es ebenso gut mache“ meinte der Amtmann zu Rieger. Gelöst wurde übrigens die Streiterei, in dem der Sohn der Häuslerin zum Bäcker in die Lehre ging, der im Zeughaus seine Bäckerei erweitern wollte.

Das Museum in der Fronfeste erstrahlt in komplett neuem Glanz

Beim Rundgang durch das Museum in der Fronfeste

Im Anschluss an den Festakt bestand die Möglichkeit die nach moderner Museumspädagogik gestaltete Ausstellung im komplett neu gestalteten Museum in der Fronfeste zu besuchen. Schon rein äußerlich hat es durch die Sanierung aller Fenster und Türen sowie dem einheitlichen Weiß aller Wände im gesamten Haus und neuem Bodenbelag im Eingangsbereich sehr gewonnen. Leitsymbole im Boden führen den Besucher durch die Ausstellung, Kreise und Hausdarstellungen ziehen sich ebenfalls als rote Fäden durch sie. Jeder Besuch erhält einen „Identitätspass“, in dem er seine einigen Wurzeln und seine Herkunft erforschen und schriftlich festhalten kann. Wer sich Zeit für die Ausstellung nimmt, erfährt viel über Migration und Integration in Neumarkt am Wallersee und kann abschließend sein Wissen bei einem Computer-Quiz testen.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung ist vom 20. Mai bis 31. Oktober 2016 Donnerstag von 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr sowie Freitag, Samstag und Sonntag von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr zu sehen. Nach Voranmeldung für Gruppen, Führungen, Kulturvermittlungsprogramme, Workshops und Projekttage.

Anmeldungen

Ingrid Weydemann Telefon 06 60 – 7 38 98 34 oder museum@neumarkt.at
Belinda Simon Telefon 06 99 – 10 50 78 64 oder kulturvermittlung@neumarkt.at

Das Museum im Internet: www.fronfeste.at
Details über die Ausstellung in der Fronfeste unter diesem Link.

Was ist die „Salzburger Landesausstellung 20.16“?

In der Stadt Salzburg sowie in 19 Regionalmuseen finden 2016, im Gedenkjahr „200 Jahre Salzburg bei Österreich“, Sonderausstellung zu diesem Thema und Zeitraum statt. Die zentrale Landesaus­stellung 2016 „Bischof. Kaiser. Jedermann.“ wird in der Stadt Salzburg im „Salzburg Museum“ gezeigt. Mehr zu Salzburg 20.16 unter diesem Link.

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