Im Traum ersonnen und traumhaft erschaffen, Betonkunst von Norbert Kranzinger

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Geliebter, gebrochener Flügel – Formensprache in Beton
„Liebe schwingt empor“, eine Plastik von Norbert Kranzinger.

Salzburg | Neumarkt am Wallersee | 8. Juni 2020 | Beton riecht gut, lässt sich gut bearbeiten und ist dauerhaft waren Worte, die bei der Eröffnung der Ausstellung von Plastiken von Norbert Kranzinger im Museum Fronfeste in Neumarkt am Wallersee am 5. Juni 2020 fielen.

Eine „durchs Fenster“-Eröffnung

Ansammlungen – und so eine war die Eröffnung der Ausstellung „Geliebter, gebrochener Flügel – Formensprache in Beton“ – sind ja in Zeiten des abklingenden Corona-Virus noch problematisch. Also hatte die Museumsleiterin Ingrid Weydeman MAS einfach die Fenster der Eisenhut-Galerie (benannt nach dem Neumarkter Marktrichter Sebastian Eisenhut (* 1621; † 1658) geöffnet und die Eröffnung fand vor dem Museum statt.  Man blickte also durch die Fenster auf die Kunstwerke.

Es sei die erste Veranstaltung, die er als Bürgermeister nach der ersten und hoffentlich letzten Corona Pandemie eröffne, meinte Bürgermeister DI Adi Rieger in seinen Begrüßungsworten. Neumarkt, so Rieger, werde ja weniger mit Kunst in Verbindung gebracht, umso mehr freut es ihn, dass das kleine, aber feine Museum Fronfeste immer wieder kulturelle Besonderheiten zeigt.

Geliebter, gebrochener Flügel – Formensprache in Beton
Corona-Vorschriften bedingte Vernissage-Eröffnung im Freien, von links: Landtagsabgeordneter Prof. Hofrat Dr. Josef Schöchl, Ingrid Weydemann MAS (Leiterin Museum Fronfeste), Baumeister Ing. Norbert Kranzinger und DI Adi Rieger (Bürgermeister Neumarkt am Wallersee)

„Geliebter, gebrochener Flügel“

Norbert Kranzinger hatte bereits eine Bildhauerausbildung hinter sich bevor er die HTL besuchte und in den elterlichen Baumeisterbetrieb in Neumarkt am Wallersee einstieg. Auch einer seiner beiden Brüder, Wolfgang, hat eine künstlerische Ader, mit der dieser die bunte Fassade des Gasthauses Gerbl in Neumarkt schuf.

Geliebter, gebrochener Flügel – Formensprache in Beton
Norbert Kranzinger erklärt den Aufbau seiner Plastiken.

Als Norbert Kranzinger seinen Erzengel Michael aus dem Beton – Gewicht rund 300 kg – schliff, musste er ihn in ein „Wagerl“ – Tragkraft 460 kg – hängen, damit er ihn hin und her drehen konnte. Plötzlich vernahm der am Boden unter dem Wagerl liegende und am Sockel schleifende Künstler ein knacksend-krachendes Geräusch und sah seinen Erzengel in Zeitlupe umkippen. Gott-sei-Dank aber neben ihn. Der Erzengel kam schlechter weg. Ihm war ein Flügel abgebrochen. Diese Episode inspirierte den Künstler zum Namen der Ausstellung „Geliebter, gebrochener Flügel“.

Geliebter, gebrochener Flügel – Formensprache in Beton
Geliebter, gebrochener Flügel – Formensprache in Beton, der Erzengel Michael.

„Im Traum ersonnen und traumhaft erschaffen“

Kranzinger erklärte den Vernissage-Gästen anhand eines Torsos, wie seine Beton-Skulpturen entstehen. Zunächst wird eine kleine Figur aus Bienenwachs geformt, bis ihm die Formen passen. Dann wird das Endgerüst mit Eisen verstärkt gebaut und nochmals mit einer Bienenwachsschicht die Form aufgebaut. Diese, verstärkt mit Silikon und zwei Lagen glasfaserverstärktem Kunststoff und mit Schrauben zum Ausgießen mit Beton vorbereitet. Dann gießt er mit einer Spezialbetonmischung die Form aus – Beton riecht gut und lässt sich angenehm verarbeiten, meinte der Künstler. Anschließend trocknet die Plastik drei Wochen, bevor sie noch zwei Wochen in einem Wasserbad verbringt. Das gibt dann erst die richtige Festigkeit.  Und schließlich beginnt die Feinarbeit des Formenschleifens.

Landtagsabgeordneter Hofrat Dr. Josef Schöchl meinte in seinen die Ausstellung eröffnenden Worte, dass Kunst und Kultur beständig und dauerhaft sei wie die Werke von Kranzinger. Und Schöchl führte weiter aus, dass das Museum Fronfeste gerade jetzt nach Corona auch die Funktion des „Kunsthunger Stillens“ erfülle, was die große Besucherzahl bei der Eröffnung ja beweise.

Von der ausgestellten Plastik „Eros und Thanatos“ leitete Schöchl auf den Bruder von Thanatos, Hypnos, über, dem Gott des Schlafes (und des Traums) in der griechischen Mythologie. Aus dieser „Ecke“ sei es wohl über den Künstler gekommen, dass er seine Kunstwerke im Traum ersonnen und traumhaft ausgeführt habe.

Die Ausstellung ist jeden Donnerstag von 10 bis 12 Uhr, sowie Freitag und Samstag 14 bis 17 Uhr zu besichtigen.

Weitere Bilder von der Vernissage siehe diesen Link.

Über den Künstler: …norbert-kranzinger

Über das Museum Fronfeste  www.fronfeste.at

Geliebter, gebrochener Flügel – Formensprache in Beton
Das Kunstwerk „Eros und Thanatos“ in der Mitte, von links: Landtagsabgeordneter Prof. Hofrat Dr. Josef Schöchl, Ingrid Weydemann MAS (Leiterin Museum Fronfeste), Baumeister Ing. Norbert Kranzinger und DI Adi Rieger (Bürgermeister Neumarkt am Wallersee).
Geliebter, gebrochener Flügel – Formensprache in Beton
Links „Die den Widder reiten“

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