Die Geschichte der Weihnachtskrippe in Salzburg und über jene in Neumarkt am Wallersee, Teil 1

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Weihnachtskrippe in Neumarkt am Wallersee
Blick auf die Weihnachtskrippe in der Stadtpfarrkirche zum heiligen Nikolaus in Neumarkt am Wallersee

Salzburg | Flachgau | Neumarkt am Wallersee | In der Weihnachtszeit kann man in zwei Kirchen in der Salzburger Stadt Neumarkt am Wallersee im Flachgau zwei besondere Weihnachtskrippen bewundern. Eine steht in der Stadtpfarrkirche zum heiligen Nikolaus und zeigt das historische Schanzhäusl.  Die zweite befindet sich in der möglicherweise ältesten Kirche von Neumarkt, in der Filialkirche Pfongau zum heiligen Martin. Sie ist eine besonders kostbare historische Landschaftskrippe.

Über die Entstehung der Weihnachtskrippe und Salzburger Krippen sowie über die beiden Weihnachtskrippen wird der Neumarkter Stadtschrei(b)er in zwei Beiträgen berichten.

Wie es zur Weihnachtskrippe kam

Weihnachtskrippe in Süditalien
Neapolitanische Weihnachtskrippe mit viel Volk, Kampanien, Süditalien

Im Jahr 1223 erhielt der Legende nach Giovanni Bernardone aus Assisi von Papst Honorius III. die Erlaubnis, in einem Wald in der Nähe von Rieti in den Sabiner Bergen nördlich von Rom eine lebende Krippe einzurichten. Giovanni Bernardone, der spätere hl. Franziskus, wollte anstelle einer Predigt die Geschehnisse der Weihnachtszeit mit Tieren und Futtertrog nachstellen.

Daraus  entstanden lebendig gestaltete Formen, das liturgische Geschehen den Menschen näherzubringen.  Dazu zählten beispielsweise das seit dem späten Mittelalter in Nonnenklöstern praktizierte Christkindlwiegen oder das Aufkommen von Hirtenspielen, die die Mitternachtsmette belebten.

Wie die Weihnachtskrippe Einzug in Salzburg hielt

Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts entstanden erste Krippen mit kleinen Figuren an den Höfen der Wittelsbacher und Habsburger. Man nimmt an, dass um diese Zeit auch die ersten Krippen im Land Salzburg auftauchten. Eine gesicherte Information findet sich erst im Jahr 1615: Im Benediktinenstift Nonnberg gibt es in den Archiven einen Rechnungseintrag über „ein Weihnachtskrippel, so mit Silber geziert“ (Zitat aus „Stille Nacht. Das Buch zum Lied“ von Thomas Hochradner und Michael Neureiter Herausgeber, im Beitrag „Weihnacht in der alpenländischen Lebenswelt“ von Ernestine Hutter). 1782 verbot der letzte regierende Salzburger Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo das Aufstellen von „Kripperln in den Gotteshäusern“. Aber das Volk stellte sich gegen dieses Verbot und letztlich musste der Fürsterzbischof es teilweise wieder zurücknehmen.

 Geburtsstall in Bethlehem
Blick in die zentrale Figurengruppe: Geburtsstall in Bethlehem, eingefügt im Durchgang unter dem Neumarkter Schanzhäusl.

Einer der berühmtesten Krippenbauer Salzburgs war der Saalfeldener Krippenbaukünstler Alexander „Xandi“ Schläffer (* 1899; † 1984), der viele Weihnachtskrippen hinterließ. Darunter befinden sich auch große Kirchenkrippen wie jene in der Wallfahrtskirche Maria Kirchental oder in der Rauriser Kirche. Seine Krippen stellen den Grundstock zu einer der größten und bedeutendsten Krippensammlungen Österreichs im Museum Schloss Ritzen in Saalfelden am Steinernen Meer dar.

Das Schanzhäusl von Neumarkt als Weihnachtskrippe

1638 ließ Fürsterzbischof Paris Graf von Lodron vom Salzburger Dombaumeister Santino Solari eine 100 Meter lange und 35 Meter breite Kirchhofbefestigung anlegen und ein Schanzhäusl als Torturm errichten. Die Kirchhofbefestigung war ein drei Meter hoher Wall mit fünf vorspringenden Rondellen und umgab die Stadtpfarrkirche zum heiligen Nikolaus.

1978 hatten drei Neumarkter Lehrer die Idee, dieses Schanzhäusl und den Schanzwall in einer neuen Kirchenkrippe umzusetzen. Aber erst 1997 griff der Neumarkter Krippenbaumeister Johann Hütter diese Idee auf und fertigte diese neue Weihnachtskrippe.

Hirten mit ihrer Schafherde.

Hunderte Holzschindeln gaben dem Schanzhäusl in der Krippe sein Aussehen. Die zwischen 30 und 35 Zentimeter großen Figuren der Krippe tragen Wachsköpfe und sind liebevoll mit echten Stoffgewändern eingekleidet. Leider wurden bald die heiligen drei Könige gestohlen. Sie wurden noch prachtvoller neu von der Künstlerin Franziska Streitwieser aus Laufen an der Salzach 2005 geschaffen. Einen neuen Kometenstern gab es dann im Dezember 2006 für die Krippe. Der 55 Zentimeter lange Stern wurde von Thaddäus Janser aus Lindenholz geschnitzt und von der Köstendorfer Diplomrestauratorin Mag.a Monika Winkler vergoldet.

Alle Bilder von der Weihnachtskrippe in der Stadtpfarrkirche siehe diese Bildergalerie.

In den nächsten Tagen folgt dann der zweite Teil über die Weihnachtskrippe in Pfongau mit weiteren geschichtlichen Notizen.

Mehr über kirchliche Kleinode in unserer Stadt findet ihr im Buch „Stadtpfarre Neumarkt am Wallersee. Raststätte auf dem Weg mit Christus. 150 Jahre Pfarre – 380 Jahre Vikariat – 70 Jahre Pfarrgebiet“.

Eine weitere Figurengruppe in der Weihnachtskrippe.
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