Festakt 50 Jahre HLW Neumarkt am Wallersee

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Zu Musikstücken des Chores und der Musikgruppe wurden Bilder aus dem Schulalltag gezeigt.

Österreich | Salzburg | Flachgau | Neumarkt am Wallersee | 22. Oktober 2022 | Mit einer Festveranstaltung und der Aufführung des Theaterstücks „14“ gedachte die „Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe“ (HLW) in Neumarkt am Wallersee im Salzburgerland am Freitag, den 21. Oktober 2022, ihr 50jährigen Bestehen. Nachstehend ein Blick zurück in die Geschichte der Schule und ein Bericht über den Festakt, das anschließend aufgeführte Theaterstück und das köstliche Buffet. Die 216 Bilder von der Veranstaltung gibt unter diesem Link auf der Bilderplattform zenfolio des Neumarkter Stadtschrei(b)ers zu sehen.

Bürgermeister von Neumarkt am Wallersee DI Adi Rieger im Festsaal mit Hofrat Mag. Norbert Leitinger (links), Direktor der HLW Neumarkt.

Aus der Geschichte der Schule

Die „Bundeslehranstalten für hauswirtschaftliche und gewerbliche Frauenberufe“ lösten sich in den 1950er-Jahren aus dem Verband der „Höheren Technischen Lehranstalten“. Mit dem Schuljahr 1972/73, als Expositur der Stadt-Salzburger „HBLA für wirtschaftliche Frauenberufe und Bundesfachschule für Damenkleidermacher“, Annahof genannt, begann die Geschichte der heutigen HLW Neumarkt. 

Der Annahof „platzte aus allen Nähten“ und suchte neue Unterrichtsräume. Sie wurden im Schulgebäude der damaligen Hauptschule Neumarkt gefunden. Der Unterricht in drei Klassen der Fachschule unter Leitung der späteren Hofrätin Dr. phil. Ingeborg Bsteh-Metternich (* 1928; † 1998) begann dann 1972 in Neumarkt. Der erste „Höhere Jahrgang“ startete ein Jahr später. 1977 maturierte der erste Jahrgang in Neumarkt.

Erste Maturaklasse 1977. Bildquelle Direktion HLW Neumarkt.

1976 wurde die „HBLA Neumarkt“ aus der Expositur in die Selbstständigkeit geführt. Direktorin Bsteh kümmerte sich ab 1986 intensiv um den Neubau der Schule. Dieser war im Neumarkter Schulzentrum, das von der Marktgemeinde Neumarkt unter den Bürgermeistern Ing. Johann Rosenlechner und Ing. Hans-Georg Enzinger entstand, errichtet worden.

Eröffnung des Neubaus 1988, von links: Bürgermeister von Neumarkt Ing. Hans Georg Enzinger, Bundespräsident Kurt Waldheim mit Gattin Elisabeth und Landeshauptmann von Salzburg Dr. Hans Katschthaler.
Bildquelle: Direktion der HLW Neumarkt.

In die Amtszeit der zweiten Direktorin, Hofrätin Mag.a Astrid Kittl (1989−2004), wurde der erste männliche Schüler aufgenommen. Er maturierte 1996 in der nun als „Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe“ benannten Schule. Im selben Jahr stimmte die Mehrheit der Eltern für die fünf-Tage-Woche.

Im April 2005 wechselte der heutige Direktor der Schule, Hofrat Mag. Norbert Leitinger, als Direktor der „Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe Ried am Wolfgangsee“ (Gemeinde St. Gilgen) nach Neumarkt an die HLW. In seine Amtszeit fällt die Entwicklung der Schule zu ihren heutigen modernen Ausbildungsangeboten in den Höheren Schulformen „Sprachen“ (mit bis zu fünf lebenden Fremdsprachen), „Mediendesign und Kommunikation“ sowie „Kultur- und Kongressmanagement“, die durch ein- sowie dreijährige Fachschulen ergänzt werden.

Eine Chronik, die im Internet auf der Homepage der Schule abrufbar ist, informiert umfassend über die Geschichte.

Erinnerungen an die Schulzeiten

Im Matthias-Laireiter-Festsaal der Schulen, benannt nach Hofrat Dr. Matthias Laireiter, der neben Großarl, seinem Geburtsort, und der Stadt Salzburg, wo er Präsident des Salzburger Landesschulrats war, Neumarkt am Wallersee als dritte Heimat betrachtete, fand die Festveranstaltung am 21. Oktober 2022 statt. Drei Moderatoren führten durch das Programm und erinnerten sich zu Beginn an ihre Zeit an der Schule.

Die drei Moderatoren der Festveranstaltung.

So war die Rede von „Unmengen an Geld, das in Kaffeeautomaten floss“, vom „Sprint in den Pausen zum Leimüller-Buffet“, „von der einen oder anderen Sucht, zum Beispiel der Coffein-Sucht“, aber auch davon, dass „wir in dieser Schule erwachsen wurden“. Sie erinnerten an die Einführung der gratis Schulbücher im Jahr der Eröffnung dieser Schule, 1972. Daran, dass mit der „HBLA“ ein neuer Schultyp entstanden war, der anfangs noch die jungen Mädchen auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter vorbereitete. Doch dieses Leitbild wandelte sich in diesen 50 Jahren völlig. Heute ist es selbstverständlich, dass junge Mädchen eine fundierte und umfassend Ausbildung erhalten.

Ehrengäste erzählen

Nach der Begrüßung der Ehrengäste sprach zunächst Landtagsabgeordneter Simon Wallner, Bürgermeister der Marktgemeinde Obertrum am See. Er war in Vertretung von Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer (ein gebürtiger Neumarkter) und Landesrätin Mag.a Daniela Gutschi zur Festveranstaltung gekommen. Er war 1979 Absolvent der „Höheren Bundeslehranstalt für alpenländische Land- und Forstwirtschaft“ in Elixhausen-Ursprung. Es war die Zeit, in der Burschen und Mädchen noch getrennt unterrichtet wurden. Die Burschen wurden zu Landwirten ausgebildet, die Mädchen zu Hausfrauen. Wallner merkte an, dass es wichtig ist „jeden in seinen Stärken zu stärken und die Schwächen zu schwächen“.

DI Adi Rieger, Bürgermeister von Neumarkt, setzte in diesem Sinn mit seinen Worten fort. Die Lehrer an der HLW suchen die Talente ihrer Schüler und fördern sie. Beides – fördernde Lehrkräfte und talentierte Schüler – so der Bürgermeister, gibt es offenbar an der HLW im Überfluss. Er ist stolz auf die Schüler, den Direktor und die Professoren an dieser Schule für ihre außerordentlichen Bemühungen, die sie immer wieder zeigen.

Dipl.-Päd. Andrea Kinschel, MA BEd, zuständig für die Bildungsregion Nord in Salzburg, sprach über die aktuellen Bildungsmöglichkeiten im Land Salzburg sowie an der HLW und würdigte die Verdienste der an der HLW Neumarkt tätigen Schüler und Lehrkräfte.

Festrede von MMag. Dr. Michael Max als Videobotschaft

MMag. Dr. Michael Ma vor dem, päpstlichen Institut Santa Maria dell’Anima in Rom, Italien.

Dr. Max war von 2005 bis 2016 Stadtpfarrer von Neumarkt und ist aktuell Rektor des päpstlichen Instituts „Santa Maria dell’Anima“ in Rom in Italien. Er hatte in seiner Zeit als Stadtpfarrer elf Jahre lang auch an der HLW unterrichtet. Seine Rede hatte drei Schwerpunkte: Wissen, Kulinarik und „den weiten Blick“.

Dr. Max begab sich in die Bibliothek des Instituts. Natürlich, so sagte er, haben wir nicht alle Bücher hier gelesen. Aber das Wissen, wo finde ich was, hilft beim Entdecken von Wissen. Jeder sollte die „Kompetenz erwerben“, sich also grundlegende Fähigkeiten aneignen, sich Neuem zu öffnen. Auch Freude am Lernen ist wichtig.

Er ging weiter in den Speisesaal, wo bereits für das nächste Essen gedeckt war. An der Wand hing ein Gemälde, das eine Szene von der „Hochzeit in Kana“, einer Geschichte aus dem Neuen Testament, zeigt. Essenszeit miteinander teilen, erläuterte Dr. Max, das ist Kultur. Bei „Hochzeit in Kana“ wurde beim gemeinsamen Feiern aus dem Wasser des Alltags der Wein des Lebens, eine für Dr. Max wichtige Perspektive im Leben.

Für den letzten Punkt seiner Rede stieg er auf das Dach des Institutsgebäudes. Von dort hat man einen wunderbaren Blick über die Dächer Roms. Zunächst zeigte er auf den Petersdom im Vatikan an einem Ende des Horizonts. Diesem Bau genau gegenüber sieht man auf einem der sieben Hügel Roms den Quirinalspalast, den Amtssitz des italienischen Staatspräsidenten. Und schließlich deutete er in Richtung des Mittelmeers. Der weite Blick endet für ihn zwar am Horizont, aber „es ist auch der weite Blick ins Leben“, der das Interesse daran wecken soll, was sich hinter dem sichtbaren Horizont verbirgt. „Die heutigen Schüler der HLW müssen uns in die Zukunft tragen […] Das Meer ist die Sehnsucht des Lebens, zu der wir aufbrechen sollen, um zu erforschen, was liegt hinter dem Horizont“ meinte Dr. Max in der 08:44 min. dauernden Botschaft an die Gäste der Festveranstaltung.

Ehemalige Absolventinnen und ein ehemaliger Professor erzählten

OStR, Prof. Neubacher bei seinen Erzählungen.

OStR Prof. Neubacher begann 1972 im Gründungsjahr der Schule mit dem Unterricht von Deutsch und Geografie. Damals waren viele Schülerinnen noch privat in Neumarkt unterbracht, da sie oft von weit herkamen.  Für sie wurde auch ein Freizeitprogramm gestaltet, bei dem es auch manchmal zu Kontakten mit den Neumarkter Burschen kam, was diesen natürlich nicht ungelegen kam. Er erinnerte sich, dass 38 Schülerinnen zur ersten Matura 1977 antraten. 1997 entstand die erste Festschrift und 2001 fand ein internationales Treffen von aus fast allen EU-Staaten in Neumarkt statt. Damals umfasste die EU 15 Länder und aus 14 kamen Teams bestehend aus jeweils zwei Lehrkräften und acht Schülern nach Neumarkt. Ein Erlebnis von diesem Treffen blieb OStR Neubacher besonders in Erinnerung. Zum Abschluss des Treffens luden die Neumarkter Lehrkräfte ihre Kollegen aus den EU-Ländern ins Müllner Bräustübl in der Stadt Salzburg ein. Ein irischer Kollege schien bereits vorher dem Salzburger Bier kräftig zugesprochen zu haben, hielt aber tapfer beim Trinken des Augustiner Bieres mit, ohne dass man ihm eine Alkoholisierung anmerkte. Das, so Neubacher, bekräftigte in ihm den Mythos des trinkfesten Iren.

Noch heute unterhält Neubacher Kontakte zu ehemaligen Schülern. So beispielsweise zum ersten männlichen Absolventen, der 1991 die Schule verließ und heute bei ORF Oberösterreich arbeitet. 2008 traf er am Bahnhof in Neumarkt einen Absolventen von 2006, der ihn erstaunt fragte, warum er nicht in der Schule sei. Er, Neubacher, wäre auf dem Weg nach Australien. So was, meinte der Absolvent, dort sei gerade auch seine Mutter – sie könnten sich doch dort treffen. Gesagt, vereinbart, in der Oper von Sydney traf er die Mutter seines Schülers auf ein, oder wie er sagte, vielleicht auch zwei Biere.

2. von links Dipl.-Päd. Anna Weyringer und rechts neben ihr Susanne Hermatinger.

Dipl.-Päd. Anna Weyringer, Direktorin der Mittelschule in Neumarkt, war Absolventin des ersten Maturajahrgangs 1977. Sie antwortete auf die Frage, was für sie die wichtigste Botschaft an die heutigen Schüler wäre, mit „lesen, lesen, lesen“. Jeder sollte unbedingt einmal im Ausland eine Zeit verbringen, Sprachen lernen, denn so erlebt man die Welt mit anderen Augen.

Susanne Hermatinger beendete erst vor einigen Jahren den ersten Jahrgang der fünfjährigen „HLW für Kultur- und Kongress-Management“ und arbeitete 2021 in Kalifornien, USA. Warum sie sich für diesen Schultyp entschieden hatte, wollte einer der Moderatoren wissen. Sie suchte sich die Schule nach dem Ausschließungsprinzip aus, in welche Schule sie sicher nicht wollte. Da blieb die HLW über und da sie weder Kochen noch Servieren wollte, wählte sie in den Kultur- und Kongress-Management-Schultyp. Ihr Motto lautet: „Niemals aufgeben, denn aufgeben tut man einen Brief“.

Szene aus dem Theaterstück „14“

Theaterstück „14“ und ein köstliches Buffet

Zum Schluss der Festveranstaltung zeigten die Schüler der 2KB ihr selbst inszeniertes Theaterstück „14“. In szenischen Darstellungen schilderten 15 Jugendliche den Alltag mit 14 Jahren. Manches war erheiternd, manches regte zum Nachdenken an. Eine junge Dame lebte im Geld-Überfluss und kaufte, was „gut und teuer“ war. Ein Jugendlicher handelte mit Drogen, was zum Tod eines Mädchens führte. Saufen und Sex endete für eine Jugendliche mit einer ungewollten Schwangerschaft und ein Macho, der gerade einer Jugendlichen ihren Computer weggenommen hatte, wurde unter seinem lautstarken Protest, er sei doch der Chef und der Stärkste, von zwei Polizisten mit auf die Wache genommen, weil er keinen Ausweis hatte. Ein Mädchen wünschte sich so sehr einen Wanderurlaub in den Bergen mit ihren Eltern. Ihr sehnlichster Wunsch ging in Erfüllung, doch bei einer der letzten Wanderungen, die die Eltern allein machten, stürzten sie tödlich ab. In drei Szenen schilderte eine Jugendliche den Weg ihrer Eltern zur Scheidung. Das Beispiel eines Jugendlichen, der Computerspielen verfallen war und sich von seiner Mutter, die Alkoholikerin ist, nichts vorschreiben ließ, war eine der vielen Szene auch jene von einem „hässlichen Entlein“. Der Teenager wünschte sich so sehr von allen geliebt zu werden und schaffte es schließlich bis zur Schönheitskönigin. Eine schüchterne Schülerin gelang es mit Hilfe eines „Tricks“ ihrer Freundin mit einer von hier „angebeteten“ Mitschülerin ins Gespräch zu kommen. Und eine Jugendliche, die alles öd und anspruchslos fand, sich über alle hinwegsetzte, gelang im Laufe der Jahre zunächst alle Medien der Welt aufzukaufen, dann alle Atomwaffen und schließlich die Weltherrschaft zu erringen.

Die jugendlichen Schauspieler zeigten durch die Bank bemerkenswertes Talent zum Theaterspielen. Manche von ihnen bestachen durch einzigartigen Körperausdruck oder Mimik. Es war zwar doch ein sehr langes Stück, aber aufgrund der künstlerischen Leistung und des vielfältigen Inhalts ein würdiger Beitrag zum 50jährigen Jubiläum.

Dieses fand seinen Ausklang bei einem ausgezeichneten Büffet, das von den Schülerinnen der vierten Jahrgänge zubereitet und serviert wurde. Kostproben gefällig? Bitte sehr: Bao Buns mit Asia-Entenbrust, Rotkraut, Wasabi-Mayonnaise, Linsen-Zucchini-Falafel mit Karottenhumus, Frischkäsemousse an Gin-Tonic-Gurken, knusprige Garnelenbällchen mit Paprikachutney und beim Dessertbuffet gab es Kürbiskern-Biskuitroulade, weißes Schokomousse in Schokoladekörbchen, Panna cotta mit Früchten oder „Apple Crumble“.

Musikalisch-künstlerisch wurde die Festveranstaltung vom Schulchor und der Schulmusik umrahmt. Zu hören waren neben modernen Musikstücken auch Stücke für Querflöten und Oboen. Tamara Micic und Lukas Zwingenberger waren als Film-Team unterwegs, um das Ereignis „bewegt“ festzuhalten.

Der Schulchor und die Schulmusikgruppe vor ihren Auftritten.
HLW-Filmteam: Tamara Micic und Lukas Zwingenberger
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