Johann Weyringer. Momentaufnahmen eines Künstlers in seinem Atelier.  

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Johann „Hans“ Weyringer in seinem Atelier (Sommer 2020).

Salzburg | Flachgau | Neumarkt am Wallersee | 27. März 2021 | Ein Fenster des Ateliers öffnet sich. „Kim eina Stodschreiba, I muas da wos zeign“. Johann „Hans“ Weyringer hat den Neumarkter Stadtschrei(b)er beim Fotografieren am Rande seines Skulpturengartens in Neumarkt am Wallersee entdeckt.

Jeder Besuch eröffnet neue künstlerische Einblicke

Ein Besuch im Atelier des Neumarkter Künstlers ist stets ein Gang durch Farben und kreative Ideen. Die beiden Atelierräume sind voneinander getrennt durch die Eingangstreppe und das Bibliotheksbüro, dem Reich von Dr. phil. Anna-Maria Eder, der rechten und ordnenden Hand des Meisters („Anna-Maria, wo das Bild …?“, „Do frog ma die Ederin, die woaß des!“, O-Ton von dem Künstler, der auch schon einen Papst portraitiert hatte).

Hans Weyringer im Sommer 2016 vor Entwürfen zu seiner Madonna von Nazareth.

Das eine Atelier ist auch so etwas wie das künstlerische Wohnzimmer. Ein massiver Tisch aus einem von Hans Weyringer Lieblingswerkstoffen, dem Osttiroler Serpentinit, steht an der großen Fensterfront, die den Blick in seinen Skulpturengarten freigibt. Selbst im Winter gibt es Momente des Lichts in diesem Garten, die nicht nur mich als Fotograf, sondern wohl auch Hans Weyringer inspirieren. An die im Boden versenkte Badewanne und die Klomuschel ohne Funktion – beide selbstverständlich farblich-künstlerisch bemalt – habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Zur Weihnachtszeit hängt der Christbaum … von der Decke. In einer Ecke stehen Erinnerungen an die Aufträge von Papst Benedikt XVI. und für die Kirche „Santa Maria dell’Anima“ des päpstlichen Instituts „Collegio Teutonico di Santa Maria dell’Anima“ in Rom (dessen derzeitiger Leiter der frühere Neumarkter Stadtpfarrers Dr. Michael Max ist). Und meist steht eine größere Malerei in Arbeit auf einer Staffelei.

Hier entfaltet sich der Künstler mit den verschiedensten Materialien.

So richtig zur Sache, zur Holz-Sache, zur Wachs-Sache und anderen Materialien geht es im zweiten Atelier, wo sich auch ein Ausgang in den Skulpturengarten und zur „via sarca“ befinden, zu den Stein-Sachen. In diesem besagten zweiten Arbeitsraum des Künstlers herrscht ein scheinbares Chaos. Doch der Besucher irrt sich. Alles ist gerade in Arbeit, war in Arbeit oder steht als Erinnerung da. Hans Weyringer steht vor einer übergroßen Figur, seinem aktuellen Werk, hier hängen die ersten Zeichnungen, dort steht ein erste Holzmodell, ja eben alle notwendigen Produktionsschritte im Entstehen eines Kunstwerkes. Fast alle, denn Gießen lässt Weyringer außer Haus bei Spezialisten.

Hans  Weyringer, ein Unruhegeist,  geistig wie körperlich

„Heilige Dreifaltigkeit“, das Titelbild des Kalenders 2021 von Johann Weyringer

Ein Besuch bei Hans Weyringer im Atelier ist meist auch eine gewisse sportliche Herausforderung, körperlich wie geistig. Es gibt in dem einen Atelier etwas zu sehen, wobei im anderen der Fortschritt oder die Idee dessen steht und „die Ederin“ den Text dazu hat (im Bibliotheksbüro). Und weil der Meister ein Mann der Aktion ist, wechseln wir im Gespräch zwischen den Räumen hin und her. Dabei erzählt er, wie diese oder jene Arbeit in seinem Kopf entstanden ist, schildert den Brenn- oder Gießvorgang, redet von einer Stilrichtung und fordert so auch meinen Geist.

Plötzlich meint Hans Weyringer, jetzt müsse er aber wieder arbeiten, ich soll mich nur ruhig umschauen. Ruhig bleibt es meist ein oder zwei Minuten, dann erscheint der Meister wieder, mit der Frage „habe ich dir eigentlich schon … gezeigt?“  Oft ohne meine Antwort abzuwarten geht es, wie könnte es anders sein, in den anderen Raum. Auf dem Weg dorthin erklärt er mir die Skulptur linker Hand und das Bild rechts oben und meint, dass wir darüber einmal ausführlicher reden müssen.  

Dieser Tage zeigte er mir seinen diesjährigen Kalender, der stets in limitierter Auflage erscheint. „Hier stand Alexandra Modell und das hier ist meine Tochter“ erläutert Hans Weyringer die Monatsbilder. Das Titelbild zeigt die „heilige Dreifaltigkeit“, ein Aluminiumguss, der auf einer Stele in seinem Skulpturengarten 2020 aufgestellt worden war.

Manchmal gab es auch ruhige Minuten und Hans Weyringer erzählte mir über die Entstehung  … der zwei Engel in der Kirche Santa Maria dell’Anima, … der Madonna von Nazareth oder des Franz von Assisi auf Lampedusa. Dabei entstanden in verschiedenen Jahren Momentaufnahmen von ihm, keine künstlerischen Darstellungen, sondern im Gespräch gemachte Bilder.

Eine besondere Begabung von Hans Weyringer besteht darin, beidhändig – lesbar – und gleichzeitig schreiben zu können.

„Die Kunst kann nicht warten“, sagte Hans Weyringer anlässlich unseres ersten Gesprächs im November 2015. Daran scheint sich bis heute nichts geändert zu haben und hält Hans Weyringer jung.

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