„Pupak“, die aus dem Iran mit oberösterreichischem Dialekt – Filmpremiere in Neumarkt am Wallersee

Gepostet am

Pupak Salzburg globales Land
Regisseur Hermann Peseckas (Kamera, Schnitt), Djordje Ĉenić (Ton, Interviews), Pupak Bodjo und Ingrid Weydemann (Museum Fronfeste)

Salzburg | Neumarkt am Wallersee | Frankenmarkt (Oö.) | Vor ihr zogen sich die Buben aus, sie hätte die Unterschrift unter ihrem Lehrvertrag gefälscht und hat jetzt Kundinnen, die lieber die „Praline“ lesen. Pupak Kaviani Tahlegani Asl, verheiratete Bodjo, wird als jüngstes von drei Kindern einer wohlhabenden Familie in Teheran, Iran, geboren. Djordje Ĉenić und Hermann Peseckas drehten mit und über Pupak einen Dokumentarfilm, Ingrid Weydemann organisierte die Filmpremiere im Museum Fronfeste in Neumarkt am Wallersee.

Wie es zu diesem Dokumentarfilm kam

Pupak Bodjo
Aus dem Film, hier erzählt Pupak aus ihrem Leben

Im Herbst 2015 erlebten die Salzburger hautnah die Migrationsbewegung der Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten. Eigentlich nichts Neues für uns, gab es doch schon mit dem Zusammenbruch des Deutschen Reichs riesige Flüchtlingsströme; die Ungarnkrise 1956 brachte wiederum viele Flüchtlinge nach Österreich und in den 1960er Jahren kamen Tausende Gastarbeiter aus der Türkei und aus dem ehemaligen Jugoslawien zu uns. Heute leben und arbeiten etwa 20 000 Menschen aus diesen Ländern in Salzburg.

Aber nicht immer waren es Kriege, die die Menschen zu uns nach Österreich ziehen ließen. Da 2016 sich das Land Salzburg daran erinnert, dass es vor 200 Jahren zu Österreich kam, gab es eine Sonderförderung aus Mitteln der Landesausstellung für Filmprojekte. Die Salzburger „Studio West.Independent“ Dokumentarfilm Produktion & Filmschule drehte in der Reihe „Salzburg – Globale Stadt“ sechs Dokumentarfilme über Menschen mit Migrationshintergrund, die aus ganz anderen Gründen nach Salzburg gekommen waren und nun hier leben und arbeiten.

Pupak und der Film

Pupak Bodjo lebt mit ihrem Mann Gabor und ihrem Sohn in Neumarkt am Wallersee. Hier wohnen auch andere Familienmitglieder, die nach dem Tod des westlich orientierten Mohammad Reza Schah Pahlavi Schahanschah und der folgenden islamisch orientierten Führung keine Zukunft im Iran sahen und nach Österreich ausgewandert waren.

die kleine Pupak in Teheran, Iran
die kleine Pupak in Teheran, Iran

In diesem Filmportrait lässt Pupak uns an ihrem bewegten Leben teilnehmen. Sie erzählt von ihrem Weggang aus dem Iran, dem Verlust von Heimat, das Fremdsein, von ihrer Integration in Österreich und dem eisernen Willen, sich ihren Lebenstraum zu erfüllen: ein eigenes Friseurinnenstudio.

Sie erinnert sich, wie sie als Neunjährige in die Volksschule nach St. Gilgen kam. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die erste Turnstunde. Denn da zogen sich die Buben – sie war das einzige Mädchen – einfach in der Klasse um, vor ihr. Unvorstellbar. Heute schmunzelt sie darüber und denkt auch gerne an ihre damalige Lehrerin zurück. Diese war sehr einfühlsam, aber wohl auch etwas überfordert mit der kleinen Pupak, die ja kein Wort Deutsch konnte.

Im Film kommt auch die Mutter von Pupak zu Wort (ihr Vater war bald nach der Ankunft in Salzburg in den 1990er Jahren verstorben). Alte Bilder werden gezeigt und Pupak erzählt dazu. Ganz gegen den Willen ihrer Mutter entschied sie sich für eine Friseurlehre. Pupak suchte sich selbst eine Lehrstelle, besprach den Lehrvertrag mit ihrer Lehrherrin – nur unterschreiben mussten diesen ihre Mutter. Die aber wollte nicht ins Geschäft gehen und wartete vor der Türe auf ihre Tochter. „Mutter, bitte unterschreib, sonst müsste ich die Unterschrift fälschen“ bat Pupak ihre Mutter, die ja doch unterschrieb.

Pupak in ihrem Frisörsalon in Frankenmarkt
Pupak in ihrem Frisörsalon in Frankenmarkt

Sie hatte eigentlich keine Probleme mit ihrer Herkunft. Sie sprach schnell Österreichisch und ihr Aussehen ließ und lässt nicht gleich auf ihre Herkunft schließen. Eine Kundin, während ihrer Lehrzeit, ließ sich immer von Pupak die Haare waschen, bis… ja, bis sie herausfand, dass ihre Haare nicht von Händen einer geborenen Österreicherin gewaschen wurden. Dann ließ sie sich die Haare nicht mehr von Pupak waschen. Eine Erfahrung von Ausländervorurteilen, die es wohl auch heute leider noch gibt.

Nach ihrer Lehrzeit in der Stadt Salzburg wagte Pupak nach einer „theoretischen Einschulung von einer Freundin“ den Schritt zur Selbständigkeit. Nicht einfach war für Pupak der Wechsel von der Salzburg nach Frankenmarkt im Hausruck im Oberösterreichischen, wo sie „ihren“ Frisörsalon aufmachte. Anfangs hatte sie keinen leichten Stand bei den Einheimischen. Haltlose Gerüchte machten die Runde. Doch, wie heißt es: „Tote Hunde tritt man nicht“: man tratschte über sie und wurde neugierig. Sie kamen und wurden treue Kundinnen. Was es jetzt mit der „Praline“ auf sich hat, ist Inhalt einer Filmszene. Jedenfalls war die betroffene Kundin lachend bei der Filmpremiere in Neumarkt dabei.

Premieren-Besucher
Premieren-Besucher, Bildmitte Pupak Bodjo mit ihrer Mutter (rechts)

Apropos Filmpremiere

Ingrid Weydemann organisierte im Gedenkjahr 20.16 in der Fronfeste die Ausstellung „Von Hier. Und Dort.“, die sich mit Geschichte(n) von Migration und Integration im Salzburger Land auseinandersetzt (die übrigens verlängert ist und noch das ganze nächste Jahr zu sehen sein wird). Pupak wohnt in Neumarkt. Was lag also näher als die Fronfeste zum Premierenort des Filmes zu wählen?

Das „Eisenhut-Zimmer“ im Museum wurde fast zu klein, so zahlreich kamen die Besucher. Es war auch ein kleines Familientreffen: Tanten, Onkeln, Cousins der iranischen Familie trafen sich zu einem Schwätzchen. Regisseur Hermann Peseckas (Kamera, Schnitt), Djordje Ĉenić (Ton, Interviews) und Pupak Bodjo standen den Fragen von Ingrid Weydemann und aus dem Publikum Rede und Antwort.

Regisseur Hermann Peseckas (Kamera, Schnitt), Djordje Ĉenić (Ton, Interviews), Pupak Bodjo und Ingrid Weydemann
Regisseur Hermann Peseckas (Kamera, Schnitt), Djordje Ĉenić (Ton, Interviews), Pupak Bodjo und Ingrid Weydemann

Es seien wunderbare sechs Drehtage in Neumarkt und Frankenmarkt gewesen, erzählte Pupak. Zwar hätte es wohl ein „grobes Drehbuch“ gegeben, so Ĉenić, aber Pupak habe letztlich selbst „Regie geführt“: auf eine Frage folgte eine Antwort, die neue Fragen aufwarf. Spannend Pupak zuzuhören, wie sie von ihrem Leben erzählte, wie sie ihren Mann kennengelernt hatte, in Straßwalchen, welche Tiefen und Höhen sie mit ihrem Frisörsalon erlebte und wie zufrieden sie heute auf ihr Leben in Österreich zurückblickt.

Ob sie wieder gerne in den Iran zurückginge? Pupak konnte die Frage nicht beantworten. Sie müsste dazu erst einen längeren Urlaub in ihrer ehemaligen Heimat verbringen, um zu sehen, wie es heute dort leben ließe. Und eigentlich kennt sie ja die Gebräuche im Iran gar nicht mehr. Nein, sie fühlt sich als Österreicherin – der Stadtschrei(b)er hatte den Eindruck „als Oberösterreicherin“ – und ist gerne hier.

Baharak Pöll (links) und Ingrid Weydemann
Baharak Pöll (links) und Ingrid Weydemann

Der Stadtschrei(b)er konnte an diesem Abend wieder einmal feststellen, dass Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen aus anderen Ländern, ja – genau! auch Menschen wie du und ich sind. Bei einem wunderbaren persischen Buffet ergaben sich noch interessante Gespräche und der Stadtschrei(b)er meint, mit dieser Veranstaltung hatte Ingrid Weydemann wieder einmal ein kleines Stück „Salzburger Kultur“ in unsere kleine Stadt am Land gebracht. Schade nur, dass der Stadtschrei(b)er wenige Neumarkter gesichtet hatte. Ihr hättet keine Angst haben muss: man sprach Österreichisch!

Alle Bilder (37) unter diesem Link.

Persisches Buffet
Persisches Buffet
Links die Mutter von Pupak Bodjo
Links die Mutter von Pupak Bodjo
Djordje Ĉenić (Ton, Interviews) und Pupak Bodjo
Djordje Ĉenić (Ton, Interviews) und Pupak Bodjo
Regisseur Hermann Peseckas (Kamera, Schnitt), Djordje Ĉenić (Ton, Interviews), Pupak Bodjo
Regisseur Hermann Peseckas (Kamera, Schnitt), Djordje Ĉenić (Ton, Interviews), Pupak Bodjo
Pupak Bodjo (links) und Ingrid Weydemann (Museum Fronfeste)
Pupak Bodjo (links) und Ingrid Weydemann (Museum Fronfeste)
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