Weyringer jubilierte mit zwei Engeln in der römischen Kirche Santa Maria dell‘Anima

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Hans Weyringer „jubilierte“ unter seinen beiden Engeln nach getaner Arbeit (Bildquelle: Johann Weyringer)

Am 18. März 2016 hatte ein mehrere Jahre dauerndes Projekt des Neumarkter Künstlers Hans Weyringer mit einer gut gelungenen Montage in der Kirche Santa Maria dell´Anima in Rom ihren Abschluss gefunden. An der Kircheneingangswand innen ist der erste Teil der neuen Wandgestaltung vollendet worden.

Papst Benedikt und Rektor Franz Xaver Brandmayr waren die Auslöser

Das Projekt in der Kirche Santa Maria dell‘Anima begann im Jahr 2010. Damals war der Neumarkter Pfarrer Dr. Michael Max gerade im Begriff nach Rom zu reisen und traf vor seiner Abreise Hans Weyringer. Dr Max wollte zum „Collegio Teutonico di Santa Maria dell’Anima“, wo er einst studiert hatte. Vom Collegium eine Straße weiter, in der Via Santa Maria del Pace, befindet sich ein kleiner Palazzo. In diesem war Weyringer schon einmal selbst gewesen, das war 1981. Ihm hatte dieser Palazzo so gut gefallen, dass Weyringer meinte, das wäre ein Platz, wo er wohnen möchte. Dr. Max solle doch beim Portier des Palazzo fragen, „…wem die Hütte gehört“ (O-Ton Weyringer).

Hans Weyringer zeigt die Vorlage für die beiden Engeln

Dr. Max reiste nach Rom, fragte beim Portier nach und traf sich mit Franz Xaver Brandmayr, der aus dem oberösterreichischen Wels stammt und Rektor des Päpstlichen Instituts „Collegio Teutonico di Santa Maria dell’Anima“ in Rom und zugleich der Bruderschaft Santa Maria dell’Anima vorsteht. Max erzählte Brandmayr vom Gespräch mit Weyringer. Der Rektor kannte Weyringer namentlich bereits vom Besuch der Weyringer-Ausstellung 2010 in der Atterseehalle am Attersee, von der Brandmayr begeistert war. Nachdem nun Pfarrer Dr. Max von Rom zurückgekehrt war, besuchte Brandmayr kurze Zeit darauf Weyringer in Neumarkt am Wallersee. Die beiden hatten sich auf Anhieb gleich gut verstanden und Brandmayr lud Weyringer nach Rom ein.

Die Kirche Santa Maria dell´Anima (Bildquelle: Johann Weyringer)

Die Kirche Santa Maria dell´Anima

Die 1523 errichtete Kirche diente unter anderem als Grablege prominenter deutscher Rompilger und in Rom ansässiger deutscher Kaufleute. Ein besonderes Prunkstück stellt die Sakristei dar, in der die Päpste aus dem deutschen Sprachraum dargestellt sind.

Rektor Brandmayr sprach bei jenem Besuch von Weyringer in Rom über seine Idee, nun auch noch Papst Benedikt in dieser Sakristei verewigen zu wollen. Aber die Sakristei sei schon mit den Büsten und Darstellungen der bisherigen deutschen Päpsten gefüllt. Wo also Papst Benedikt verewigen? Wie die beiden so über diese Sache philosophierten, kam Weyringer die Idee, im Fenster der Sakristei das Glas mit einem Motiv von Papst Benedikt zu gestalten. Weyringer kehrte nach Neumarkt zurück, inspiriert von den Gesprächen mit Brandmayr. Einige Zeit darauf fuhr er neuerlich nach Rom, um seine mittlerweile im Kopf geformten Ideen vor Ort in Entwürfe einfließen zu lassen. Und so entwickelte sich eine immer intensiver werdende Freundschaft zwischen dem Salzburger Künstler und dem Rektor in Rom. Zu der damaligen Zeit wurde die Kirche, die unter Denkmalschutz steht, gerade aufwendig renoviert. Da trat Franz Xaver Brandmayr an Hans Weyringer heran: „Hans, was kannst du dir mit der Eingangswand vorstellen?“.

Eines der beiden Glaskunstwerke im Glasstudio Derix

Zwei Engel aus Glas

Die Eingangswand bestand aus einem Glasfenster, einer Spende Kaiser Franz Josephs I. (um 1880), innen mit einer Madonna-Darstellung, umgeben von Würfelmustern aus Stein. Diese Würfelmuster mussten aus Denkmalschutzgründen aber bleiben. Denkbar und möglich war also eine Malerei davor zu spannen und so die Wand als statisches Element zu erhalten. Hans Weyringer begann mit der Planung einer acht Meter hohen Glasmalerei, die acht Zentimeter vor der Wand montiert werden sollte. Die Malerei konnte nur mit Auflicht erstrahlen und sollte in antik geblasenen Gläsern, geätzt, entstehen. Der Focus des Blicks der Besucher soll auf dem Fenster bleiben. Weyringer plante die Madonna mit einem Verkündigungsengel und dem Erzengel Michael, beide aus Glas, zu flankieren.

Entwürfe wurden in Rom gemacht. Dann mussten diesen auf Glas gebracht werden. Das Glas wurde in Taunusstein nördlich von Wiesbaden in Deutschland im Derix Glasstudio in Handarbeit mit den Helfern im Glasstudio hergestellt. Hans Weyringer war während der gesamten Produktionszeit in  Taunusstein und Schritt für Schritt entstand sein Kunstwerk.

Weyringer machte seine ersten künstlerischen Erfahrungen mit Glas mit einem Glasfenster im Gebäude des Arbeitsmarktservice (AMS) in Salzburg und in der Kapelle in Thalgauegg in Thalgau. 1989 besuchte Glasstudio-Besitzer Wilhelm Derix Weyringer in Salzburg. Anschließend entstand ein Musterfeld von Weyringers Glasarbeiten und bald folgten erste Glas-Aufträge für Weyringer (z. B. für das Spielkasino in Wien).

Die Techniken bei Glasarbeiten sind unterschiedlich. Beispielsweise bei Arbeiten mit abgesenktem Glas schnitzt Weyringer seine Ideen in eine Keramikplatte, die in den USA für die Weltraumfahrt entwickelt wurden. Diese sind noch nicht ganz durchgehärtet und werden nach dem Ritzen bei 1200 Grad nochmals gebrannt.

Der Minikran wird abgeladen und ins Kircheninnere gebracht (Bildquelle: Johann Weyringer)

Salzburger Kunst nach Rom „exportiert“

Wie aber die Glasplatten von acht Metern Länge und stattlichem Gewicht nach Rom bringen und dort in luftiger Höhe an der Innenwand der Kirche montieren? Weyringer sprach mit dem Straßwalchner Unternehmen Rachbauer, das auf Schwer- und Sondertransporte spezialisiert ist. . Denn nicht nur der Transport musste bewältigt werden, sondern auch das Problem, in der Kirche die Glasplatten an die Wand zu bekommen. Schablonen mit Dübeln waren schon längst gesetzt, aber eine Krypta unter dem Eingangsbereich machten Statiker und Denkmalamt Sorgen. Schweres Gerät konnte nicht eingesetzt werden. Die Italiener planten ein Gerüst um € 25.000 Euro aufzustellen. Es begann ein hin und her mit Denkmalamt, Statikern und den Kirchenverantwortlichen. Da nun Weyringer eine längere Verzögerung befürchtete, bat er die Firma Rachbauer um Rat. Die Lösung bestand in der Verwendung eines Minikrans und einer Arbeitsbühne.

Rachbauers Transportangebot war um vieles günstiger als jenes der Italiener. Im März 2016 brach der Transport von Neumarkt nach Rom auf. Am Anhänger transportierte Rachbauer den Minikran. Dieser wurde in Rom dann vorsichtig über eine eigens angelegte Rampe in das Kircheninnere gebracht. Weyringer und seine Helfer aus dem Glasstudio Taunusstein arbeiteten täglich bis in die Abendstunden.

Am Montag, den 14. März 2016 hatte man mit den Arbeiten begonnen, Freitagmittag, am 18. März 2016, waren die Arbeiten abgeschlossen.

Vorsichtig werden die Gläser für das Aufhängen vorbereitet (Bildquelle: Johann Weyringer)

Ein echter Weyringer in einer echten römischen Kirche

Fassen wir die Daten des Kunstwerks und seiner Errichtung zusammen:

Zwei jubilierende Engel, die der Mutter Gottes huldigen, der Erzengel Michael und ein posaunenblasender Verkündigungsengel in Form von zwei acht Meter hohen dreigeteilten Glasplatten – geätzten Echtantikgläser mit Glasmalerei, gefertigt im Glasstudio Derix in Taunusstein unter der Projektleitung von Uwe Hoferichter und der Malassistenz von Rahmi Schulz.

Mit den Monteuren Freddy und Matthias sind die Glasplatten fachgerecht an ihren Platz gekommen. Nach präziser Vorbereitung durch den Haustechniker Maurizzio Russo und seiner Mannschaft konnte die Montage mit vereinten Kräften durchgeführt werden. Mit Kranfahrer Alex und dem italienischen Arbeitsbühnenbediener Alessandro konnten die Glasplatten in einer Höhe von neun bis 17 Metern montiert werden. „So haben alle Schutzengel mitgeholfen und Rektor Dr. Franz Xaver Brandmayr als Impuls- und Auftraggeber hat dieses Werk übernommen.“ meinte Hans Weyringer in einer Aussendung wenige Tage später.

Alle Bilder von der Montage und dem Gespräch mit Hans Weyringer im April 2016 unter diesem Link.

Hans Weyringer bei den Montagearbeiten (Bildquelle: Johann Weyringer)
in der Mitte Rektor Franz Xaver Brandmayr (Bildquelle: Johann Weyringer)
von links: Neffe Simon, Johann und sein Bruder Andreas Weyringer in der Kirche Santa Maria dell’Anima (Bildquelle: Johann Weyringer)
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