Sternsinger schauen gar nicht in die Sterne!

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Die vier heiligen drei Könige am 28. Dezember 2015 in Neumarkt am Wallersee

Salzburg | Neumarkt am Wallersee | Da standen sie also wieder vor der Haustüre, die vier heiligen drei Könige mit einer Königin. Jedenfalls zählte der Stadtschrei(b)er fünf Köpfe.  Die Hand tat dem Sternträger schon weh. Ja, ja, so ein Stern, der hat schon sein Gewicht! Aber sie gehen eh‘ nur zwei Tage, die Sternsinger vorm Haus. Na ja, meinte einer von ihnen, eigentlich drei Tage. Denn am 6. Jänner müssen sie auch noch in der Kirche auftreten. Also merke, auch ein nur kurzer Auftritt zählt einen Tag!

Sternsinger schauen gar nicht in die Sterne

Im Dezember 2015 haben die Sternsinger die besten Voraussetzungen, auch selbst in die Sterne schauen zu können. Seit Tagen fasziniert tagsüber ein tiefblauer Himmel,  Sonnenuntergänge in orangen-roten Farbtönen malen Himmelsfiguren ans Firmament und am sternenklaren Nachthimmel gibt es als Draufgabe seit Tagen einen unheimlich riesigen Vollmond (24. Dezember) zu sehen.  Wenn die Sternsinger schon nicht in den Sternenhimmel blicken, weil sie so beschäftigt sind, blickt der Stadtschrei(b)er doch einmal etwas in die Sternsinger-Geschichte zurück.

Da hatte doch einmal die Kirche das Sternsingen und Aufstellen von Weihnachtskrippen verboten gehabt!

Unter dem letzten als Salzburger Fürsterzbischof  regierenden Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo (* 1732, † 1812)  Ende des 18. Jahrhunderts, vor allem aber dann unter der Bayerischen Landesregierung ab 1810 bis 1816, wurden Heischebräuche wie das Sternsingen, aber auch das Sammeln der Rauchfangkehrergesellen reglementiert und schließlich verboten. Hieronymus Graf Colloredo war es auch, der 1784 das  Verbot der öffentlichen Aufstellung von Weihnachtskrippen im Land Salzburg erließ, also auch in Kirchen. So kamen die Weihnachtskrippen in die Häuser der Menschen.

Im 19. Jahrhundert gab es noch eine enge Verbindung zwischen Sternsinger-Liedern, Weihnachts- und Nikolausspielen. „Diese Lieder wurden teils von umherziehenden Erwachsenen, manchmal auch von Familien vorgetragen und dienten als ‚Heischegang‘ in erster Linie dem Broterwerb„, erklärte Ulrike Kammerhofer-Aggermann, Leiterin des Salzburger Landesinstitutes für Volkskunde, am Sonntag, 27. Dezember. „An Inn und Salzach waren es vor allem die Schiffer, die im Winter einen Zusatzverdienst brauchten, um ihre Familien ernähren zu können„, so Kammerhofer. Dieser Heischebrauch ist bis in das 16. Jahrhundert zurück nachweisbar. Freilich wurden die Heischenden da und dort auch Ziel von Spottversen wie jenem: „Die heilig’n drei König‘ mit ihrem Stern, sie essen, sie trinken, sie zahlen nit gern.

Vorläufer der Sternsinger-Aktion geht auf Wiener Beamten zurück

Die Wiederbelebung des Sternsingens als Vorläufer der heutigen Sternsinger-Aktion geht auf den Wiener Beamten Franz Pollheimer (* 1900, † 1986) zurück. Er sammelte mit seinen Kindern zwischen 1946 und 1954 in einer privat inszenierten Sternsinger-Aktion in Maria Treu in der Josefstadt für die Restaurierung des Stefansdomes, der Piaristenkirche Maria Treu, für Flüchtlinge und Missionsprojekte. Sein Sohn, Klaus Pollheimer, erinnert sich an den verwendeten Spruch, der auch nach Laupheim in Deutschland gelangte und dort einige Zeit Verwendung fand: „Des Gotteskindes Frieden kehr ein in euer Haus und schütte Glück und Segen auf eure Häupter aus! Gesundheit mög’s euch geben, recht viel fürs ganze Leben, bis dass wir alle kommen glückselig einst zusammen – in gloria dei patris im Himmel oben – Amen.

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