Begegnungscafe – Zeit mit Mitmenschen, für Asylbewerber

Gepostet am Aktualisiert am

Begegnungscafe Ingrid Weydemann
Ingrid Weydemann vom Museum in der Fronfeste mitten unter ihren Besuchern

Die Tür zum Museum in der Fronfeste mitten in der Stadt Neumarkt am Wallersee stand offen. Niemand war zu sehen. Es war Montagnachmittag, kurz nach 16 Uhr. Steckte man jedoch seinen Kopf im Inneren des Hauses durch die erste Türe links, schaute die Situation schon ganz anders aus. Da saßen gut 30 Menschen, Einheimische wie Zugezogene wie Asylbewerber um Tische herum und babylonisches Stimmengewirr im Ansatz war zu hören [alle 19 Bilder dieses Nachtmittags … siehe hier].

Wie geht es dir? Ich komme aus …

dreisprachige Unterlagen zum Deutsch lernen

Zwei Mal die Woche können die rund 70 in Neumarkt am Wallersee wohnenden Asylbewerber einen Deutschunterricht besuchen. Beim Begegnungscafe gibt es zwar keinen schulischen Unterricht, dennoch habe viele der Ausländer ihre „Deutschunterlagen“ dabei. Darin stehen in der linken Spalten die deutschen Begriffe, in der mittleren Spalte die englische Übersetzung und in der rechten Spalten steht die Übersetzung in arabischen Schriftzeichen.

Geografielehrer, Koch und vor allem Menschen

Da erzählte einer, dass er in Bagdad (Irak) vier Jahre lang Geografie an der Universität studiert hatte. Er spricht schon einige Worte Deutsch und half beim Übersetzen, denn neben ihm saß ein Arabisch Sprechender, gelernter Koch von Beruf, der noch nicht Deutsch und auch nicht Englisch konnte. Am Landweg sind sie nach Österreich gekommen, zu Fuß, waren zunächst in Zell am See oder Lofer untergebracht und nun in Neumarkt am Wallersee. „Ich bin aus Syria“ erklärten einige in der Runde.

wurde von einer Neumarkterin mitgebracht: die Jause

Essen, Spielen und Reden

Eine Neumarkterin hatte zwei Brotlaibe und einen Aufstrich mitgebracht, richtete Teller mit Brot und Aufstrich her, stellte sie den Asylbewerbern hin und ermunterte sie zu essen. Ein kleines Mädchen aus dem Mittleren Orient mit hellen, großen Augen spielte in einer Ecke. „Memory“ erfreute sich gleich bei mehreren großer Beliebtheit und ein aus Nepal oder Tibet stammender Flüchtling fragte auf Deutsch nach der Farbe und dem Material einer Handtasche, die auf einem Tisch stand. Hölzl-Ziehen aus einem Turm aus Hölzern bis er umfiel und allseits beklatscht wurde, die Hoffnung mancher, ihre Frauen und Kinder schon bald wieder zu sehen und reden füllten Raum und Zeit.

„Mein Name ist Chalid“!

Das Begegnungscafe war die Begegnung mit Menschen, die an diesem Nachmittag auch wieder lachen konnten und sich redlich mühten, sich anzupassen. Denn beim Verabschieden führten die Versuche „Pfiati“ zu sagen zu sichtbarer Erheiterung. Mal hören, ob beim nächsten Begegnungscafe – jeden Montag um 16 Uhr – dann auch „Griasti“ geübt wird und übrigens – „Grias Eich“ an all jene, die vielleicht doch einmal ein wenig Kontakt zu den Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten knüpfen möchten – sie beißen nicht, haben keine Messer oder Waffen dabei und freuen sich echt, wenn man mit ihnen spricht. „Mein Name ist Chalid“!

Spielen und sich verständigen funktionierte ausgezeichnet
Aufbauarbeit!
sie wird hoffentlich eine bessere Zukunft erleben dürfen – Mädchen aus dem Osten
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