Wein, Weib und was für ein Gesang! Applaus für die Frauen in der Fronfeste in Neumarkt!

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Doris Kirschhofer Museum in der Fronfeste
Doris Kirschhofer mit ihrem Akkordeon (Bildquelle: Ingrid Weydemann)

Salzburger Land | Flachgau | Neumarkt am Wallersee | In einem ehemaligen Gefängnis trafen sich Frauen zur Nachfeier des internationalen Frauentags. Mit von der Partie war die Welser Ausnahmekünstlerin Doris Kirschhofer, die „unheimlich“ faszinierte. Lucullus, der Gourmet, kam aus der Römer-Abteilung im ersten Stock herunter und war in Form eines unwiderstehlich gut schmeckenden Buffets von Mia Posch zu Gast. Das Museum in der Fronfeste in Neumarkt am Wallersee war am Montagabend, den 9. März 2015, fest in weiblichen Händen. Nicht ganz, wie sich herausstellte.

Das Flair eines Varietétheaters hielt für Stunden Einzug in die alten Mauern
Neben dem Neumarkter Stadtschreiber wagte sich noch ein männlicher Neumarkter unter die feiernde Weiblichkeit. Schon beim Betreten des Raumes fiel der Blick des Stadtschreibers auf eine rothaarige Frau, die in ihrem orange-roten, leicht glitzernden Rock einen Hauch von Circus-Varieté-Flair ausstrahlte. Der Stadtschreiber sollte sich in seiner Vermutung nicht irren.

Eine ungemein faszinierende Stimmbreite von Doris Kirschhofer ließ sogar die Hausgeister still werden
„Ganz typisch Frau ‚Wein, Weib und Gesang‘, musikalischer Abend mit Doris Kirschhofer“ stand auf dem Plakat. Doris Kirschhofer war also jene geheimnisvolle Rothaarige. Kirschhofer nahm ihr Akkordeon an sich und ließ ihren Gitarristen, Klaus Kircher, aus seinem Gefängnis – er war in einem Laptop zur akustischen Begleitung mitgebracht worden. Was sich dann an Stimme und Klang im Raum ausbreitete, war schlichtweg Atem-beraubend.

Museum in der Fronfeste Doris Kirschhofer
die „Bühne“ im Museum in der Fronfeste war genau richtig für das Programm von Doris Kirschhofer (Bildquelle: Ingrid Weydemann)

Kirschhofer ließ ihre Stimme scheinbar mühelos vom gewohnten Klang einer Singstimme zur Oberton- und hin zur Untertonstimme gleiten. Das Licht gedämpft, die angenehme Enge des Raumes und der eigenartige Klang der Stimmtonlagen erinnerten entfernt an das Mantra-Singen buddhistischer Mönche in einem tibetischen Kloster. Die Stimme von Kirschhofer wechselte von einem Moment auf den anderen in eine Geräusch imitierende Stimme, ja sogar ein Hahnenschrei weckte die gar nicht schlafenden Zuhörerinnen und die beiden Männer. Sogar die Hausgeister saßen, gebannt von Kirschhofer, auf dem einstigen großen Zuschneidetisch einer Gerberei, der mitten im Raum stand.

Sagengestalten entstiegen dem Wallersee und eine neue Sprache beseelte die Fronfeste
Kirschhofer sang von der Nixe aus dem Wallersee, die in den Kölner Wasserspeicher entführt wurde, wo der Wal aus dem Wal-lersee ihr sein Leid klagte. Und wirklich, die Zuhörer erlebten nixenhaftes Geplapper und walartige Geräusche. Ein anderes Lied war aus sieben Sprachen zu einer neuen entstanden, die noch keinen Namen trägt. Mir fiel „Anderdalänisch“ dazu ein und sie transportierte intuitiv für die Zuhörer den Inhalt des Liedes. Während ihrer Weiterbildung an der französischen Zirkusschule ‚Centre national des arts du cirque‘ in Châlons-en-Champagne erlebte Kirschhofer auch so manche Feier. Davon sang sie in einem französisch-wienerischen Lied von den „fetten“ (besoffenen) Männern und davon, dass sie dann doch lieber allein ins Bett gegangen war.

Zwischen ihren Liedern spielte sie gekonnt mit Worten in kurzen Texten, die scheinbar wirr und doch mit Sinn aneinander gereiht waren. Gegen Ende ihres ja viel zu kurzen sensationellen Auftritts zog sie nochmals alle Register ihrer Stimmbänder. Die Zuhörer, die weiblichen, die beiden männlichen und die Hausgeister (Sie glauben nicht an Hausgeister? Dann wäre dieser mystisch-zirkushafte Abend nichts für Sie gewesen) waren begeistert und beeindruckt von Doris Kirschhofer.

Doris Kirschhofer
Ausdrucksstark und beeindruckend: Doris Kirschhofer (Bildquelle: Ingrid Weydemann)

Woher die Ideen und welche Träume bewegen die Künstlerin
Bei einem Glas Wein und kulinarischen Fingerfood-Köstlichkeiten wurde noch lange geplaudert. Der Stadtschreiber setzte sich neben Doris Kirschhofer und ließ sich von ihr erzählen. In der Badewanne, im Schilf am Wallersee (Kirschhofer lebt in Seekirchen am Wallersee) und in der Natur im Allgemeinen kommen ihr die Ideen zu ihren Liedertexten. Ja, die Badewanne, das betonte sie, sei ein besonders guter Ort für Eingebungen. Aber auch die Bibliothek der Zirkusschule in Frankreich hatte es ihr angetan gehabt. Jede freie Minute verbrachte sie dort und verschlang vor allem die geschichtlichen Informationen über Zirkus und Varietétheater.

Jemand wie Doris Kirschhofer, die in den USA aufgetreten war, bei den Salzburger Festspielen und den Wiener Festwochen, am Burgtheater in Wien, im Theaterhaus Stuttgart und und und, hat so eine erfolgreiche Ausnahmekünstlerin noch Träume? Ihre Augen leuchteten und die langen roten Haare unterstrichen das Geheimnisvolle an dieser Künstlerin. Ja, sie habe einen Traum. Dass sie mit ihren Liedern und Texten Menschen – Seelen – berühren kann. Ja, sie sagte Seelen und der Stadtschreiber blickte mit ihr in die „Wolke der Zukunft“ und sah dort eine Doris Kirschhofer auf großer Welttournee und die weiblichen und die beiden männlichen Zuhörer dieses Abends werden dann sagen können, dass sie diese großartige Künstlerin in der kleinen Stadt im Salzburger Land einst erleben konnten!

Und wem verdanken wir, dass Neumarkt am Wallersee für einige Stunden der Kulturnabel der Welt war?

Kulinarik von Mia Posch, arrangiert von Alexandra Kunstmann-Hirnböck

Da wäre zunächst und ganz zuvorderst Ingrid Weydemann zu nennen, die unermüdliche Direktorin des Museums in der Fronfeste, die trotz bescheidenstem Budget (unterstützende Mitglieder sind immer herzlich willkommen!) es immer wieder schafft, Kunst und Künstler von hohem Niveau nach Neumarkt am Wallersee zu locken. Am Erfolg (der sich auch in der Gewichtszunahme der Gäste später feststellen hatte lassen) waren aber neben der Künstlerin und Weydemann auch noch zwei weitere Damen beteiligt gewesen: Mia Posch, die mit viel Liebe ausgezeichnete in die Finger zu nehmende (engl. „fingerfood“) kleine Köstlichkeiten gezaubert hatte. Und nicht zuletzt (die Letzten werden die Ersten sein!) hatte Alexandra Kunstmann-Hirnböck von der Stadtpfarre Neumarkt am Wallersee die Köstlichkeiten von Mia Posch kunstvoll und appetitlich, für das Auge sehr ansprechend, angerichtet – fast zu schade zum Essen, aber wir Kunstbanausen hatten das optische Kunstwerk dann doch zerstört.

Solche Momente bleiben einmalige Momente im Kulturleben der jungen Stadt am Land, wie der Stadtschreiber über seine neue Heimatstadt zu sagen pflegt. Wer an jenem Abend vorgehabt hatte zu kommen, aber dann doch nicht gekommen war, der darf sich jetzt wo hineinbeißen!

Weitere Videos von Doris Kirschhofer im Internet unter diesem Link – youtube.

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