Auf mechanischer Schreibmaschine geschrieben: die Lebenserinnerungen des Helmut Deinhammer

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Hannelore und Helmut Deinhammer
Hannelore und Helmut Deinhammer

„Einladung zur Lösung des Rätsels 60 + 60 + 50 + 50 + 50 + 40 + 30 = ?“ stand auf der Einladung, auf der noch acht Bilder zu sehen waren. Wohl als Hilfestellung zur Lösungsfindung. Doch auch das half dem Stadtschrei(b)er nicht viel weiter und so pilgerte er am Mittwochabend, den 10. Dezember 2014, ins Gasthaus Gerbl. Dort traf er viele Männer und ganz wenige Frauen. Spannend.

Gasthaus-Variante des „Social-Media-Netzwerkens“
Dr. Emmerich Riesner, Bürgermeister außer Dienst, war heute Abend „im Dienst“. Er führte durch den Abend und lüftete gleich einmal zumindest den Sinn des Treffens: Reg.-Rat Helmut Deinhammer will seine Lebenserinnerungen seinen Freunden, Weggefährten und Mitstreitern vorstellen: „Vom Gemeindelehrling zum Ehrenbürger. Erinnerungen eines Neumarkters.“ Und da Helmut Deinhammer ein Computerverweigerer ist, schrieb er dieses 70seitige Werk auf seiner alten mechanischen Schreibmaschine.

Dr. Emmerich Riesner
Dr. Emmerich Riesner moderierte den Abend

Diese bekam er zum Abschied in seine Pension von seinem Arbeitgeber, dem Amt der Salzburger Landesregierung, geschenkt (die waren wohl auf Computer umgestiegen). Zur Vorstellung seiner Lebenserinnerungen wählte Helmut Deinhammer dann auch folgerichtig seine persönliche Art des „modernen Netzwerkens“. Nämlich ein Treffen Angesicht zu Angesicht im Gasthaus Gerbl, also die „Gasthaus-Variante“ des Social-Media-Internet-Networking, wie Riesner schmunzelnd meinte. Helmut Deinhammer twitterte auch nicht, er „klampfte“ seine Meldungen in die Schreibmaschinentasten“.
Nun begann Riesner das kryptische Zahlenrätsel zu lösen.

Helmut Deinhammer
aufmerksam lauschten die Gäste den Erzählungen

60 Jahre seit Beginn als Gemeindelehrling
Am 1. September 1954 hatte Helmut Deinhammer als Lehrling im Gemeindeamt von Neumarkt am Wallersee begonnen. Eigentlich wollte er nach Abschluss der Hauptschule in Seekirchen am Wallersee an die HAK gehen. Die Aufnahmeprüfung hatte er schon geschafft. Doch dann hatte sein Vater den damaligen Vizebürgermeister getroffen, der ihm erzählte, die Gemeinde bräuchte gerade einen Lehrling – das wär‘ doch was für Helmut! Es war was für den Helmut Deinhammer.

Helmut Deinhammer erzählte ein paar Episoden aus jener Zeit. So musste er bei Bauverhandlungen mit einer Schreibmaschine vor Ort dabei sein. Da damals der Wallersee noch zur Gänze zu Neumarkt gehörte, musste er auch zu Bauverhandlungen am anderen Ende des Sees mitkommen. Dorthin fuhr man mit dem Boot bis in Ufernähe, amtshandelte und Helmut Deinhammer, die Schreibmaschine auf den Knien, schrieb das Protokoll.

Erinnerungen wurden wach

Vor 60 Jahren Teilnahme am ersten Turnwettkampf
Helmut Deinhammers ist in besonderer Weise mit dem Turnsport verbunden, wie er selbst sagte. Er nahm am 23. Mai 1954 an seinem ersten Turnwettkampf teil und 1956 feierte seinen größten Erfolg beim Bundesturnfest in Wels. Unter 90 Teilnehmern aus Deutschland und Österreicher wurde er Zweiter. Jetzt wurden bei den Gästen im Saal Erinnerungen wach. Da gab es doch jene legendäre Laufveranstaltung in Straßwalchen, bei der eine der vielen Staffeln, die vom Neumarkter Sportverein ins Rennen geschickt hatte, Letzte wurde. Geplant, weil es nämlich für die letztplatzierte Mannschaft eine Kranz aus Würsten gab! Angeblich hatte sich dieses Team sogar absichtlich in einem Wald versteckt, um Zeit zu schinden.

Drei Mal 50 Jahre: ÖSTA geschafft, so lange schon Tennis gespielt und ebenso viele Länder bereits
Na ja, das mit den 50 Ländern nahm der Herr Regierungsrat nicht so genau. Denn er zählte auch Transitflughäfen und -bahnhöfe dazu. Aber immerhin, er kann auf 50 betretene Länder zurückblicken. Einmal, als Helmut Deinhammer zusammen mit Hermann Scheidler Senior nach Crikvenica (damals Jugoslawien, heute Kroatien), fuhren ermahnte die Mutter ihn, er solle sich nichts mit „die Weiber dort unten“ anfangen, der Vater hingegen warnte ihn, er solle „net Politisch tätig werden“. Ja, und von den Schornstein Reisen aus Dortmund und von Pfarrer Dr. Max als „Mister Obertauern“ wurde auch noch erzählt. Aber das sind schon wieder andere Geschichten. Übrigens, die 50. Reise führte Helmut Deinhammer in den südafrikanischen Staat Lesotho.

Helmut Deinhammer
Helmut Deinhammer fiel immer wieder „a Gschichtl“ ein

Vor 50 Jahren, 1964, begann Helmut Deinhammer mit dem Tennisspielen, der Tennisclub Neumarkt wurde erst ein Jahr später gegründet. Deinhammer erinnerte sich an viele Anekdoten, an Geschichten, die er gemeinsam mit Johann Hansel erlebt hatte und daran, dass damals die Tenniskleidung genau vorgeschrieben war – ganz in Weiß.

2014 erwarb Helmut Deinhammer schließlich zum 50. Mal das ÖSTA, das österreichische Sport- und Turnabzeichen.

Ausweis für den Sonntagsstammtisch
Ausweis für den Sonntagsstammtisch

30 Jahre legendärer Sonntagsstammtisch im Gasthaus Krone
Der 1984 ins Leben gerufene Stammtisch versammelte zeitweise die halbe Gemeindevertretung im Gasthaus Krone (Karlwirt). Ob dort auch politische Entscheidungen fielen wollte der Stadtschrei(b)er wissen. Ja, natürlich, aber laut sagen durften sie es halt nicht. Erst in der nächsten Gemeindesitzung wurde so getan als träfen sie grad‘ jetzt erst die Entscheidung. „Hoch politisch, hoch intelligent“ ging es bei diesen Stammtisch zu, meinte Helmut Deinhammer. Und er erinnerte sich daran, dass es auch einen eigenen Stammtisch-Ausweis gab. Für die Stammtisch-Präsidenten-Wahlen wurden sogar Wahlplakate gedruckt.

Und die 40 Jahre?
Die kommen noch. Doch zuvor erzählte Helmut Deinhammer von seiner Zeit beim Bezirksgericht. Da wurde noch alles mit Schreibmaschine geschrieben, mit bis zu zwölf Durchschlägen mittels Blaupapier (Durchschreibepapier)! Kopierer gab es ja noch keine. „Blau zustellen“ hieß es dann manchmal, wenn der am unleserlichsten Durchschlag einem der an der Sache Beteiligten zugestellt wurde, der als unsympathisch bei jenem Verfahren galt. Zugestellt, aber nicht lesbar, war trotzdem zugestellt und rechtskräftig!

Wirtin Antonia Gerbl
Sogar die Wirtin Antonia Gerbl verließ ihre Küche, um an den Lebenserinnerungen zuzuhören

Eine andere Episode handelte von einem Rechtsanwalt, der wegen seiner Bekanntheit in der Stadt Salzburg seine Strafe wegen eines Verkehrsdelikts nicht in Salzburg sondern in Neumarkt „aussitzen“ wollte. Tagsüber half der „Häftling“ dann am Bezirksgericht im Grundbuch aus. Und die Geschichte mit den vergessenen Häftlingen war besonders erheiternd. Denn Helmut Deinhammer hatte eines Sonntags Aufsichtsdienst im Häfen von Neumarkt, wo seinerzeit noch einige einsaßen. Da es ein schöner Tag war, ließ er die als ungefährlich geltenden Insassen in den Innenhof und versprach, sie nicht zu vergessen und ihnen mittags ihr Essen zu bringen. Helmut Deinhammer vergaß aber. Er ging an den Wallersee, genoss den Tag und mit Schrecken fuhr es ihm gegen Abend ein, dass er auf seine Häftlinge vergessen hatte. Beim Gasthof Gerbl holte er das Abendessen für die immer noch im Innenhof Wartenden und eine Kiste Bier und die Sache war gegessen, ehm, vergessen.

1974 gingen die Mitarbeiter der Raika erstmals nicht auf ein Begräbnis sondern auf eine Hochzeit
Nämlich auf die Hochzeit von Hannelore und Helmut Deinhammer. Sprach’s, zog sich das Sakko seines Hochzeitsanzugs an und sprach abermals: „Ja, das habe ich auch noch und meine Frau hab‘ ich auch noch“. Und er passt tatsächlich noch in das Hochzeitssakko, der Helmut Deinhammer, 40 Jahre nach seiner Hochzeit.

Hochzeitsanzug
passt ja noch, das Sakko des Hochzeitsanzugs!

Und das Fragezeichen am Ende der langen Zahlenkette auf seiner Einladung?
Ja, das Fragezeichen, lieber Herr Regierungsrat, das Fragezeichen, was hat es damit auf sich? „60 + 60 + 50 + 50 + 50 + 40 + 30 ist gleich ein erfülltes, glückliches Leben“ meinte Helmut Deinhammer schmunzeln. Zu seinem erfüllten, glücklichen Leben zählen die erwähnten runden Jahreszahlen, seine Frau, seine beiden Töchter und seine fünf Enkerl. Der Stadtschrei(b)er wünscht der Familie Deinhammer alles Gute und freut sich auf’s nächste Festl, … Herr Regierungsrat wird im kommenden Frühjahr 75 Jahre jung!

Bestseller „Vom Gemeindelehrling zum Ehrenbürger“ gibt es…
…nur in einer kleinen, limitierten Auflage bei Helmut Deinhammer persönlich gegen eine freiwillige Spende, die der Caritas Neumarkt am Wallersee für örtliche Projekte zu Gute kommt. Finanziert hatte Deinhammer den Druck aus eigener Tasche.

Alle 43 Bilder von der Lebenserinnerungsvorstellung siehe diesen Link.

und jeder erinnerte sich an etwas anderes! Theresia Högler (rechts), die 40 Jahre lang Karlwirtin war und die Brüder Enzinger (links)
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