Asylwerber in Neumarkt am Wallersee: Menschen unter Menschen

Gepostet am Aktualisiert am

MenschenWo Information fehlt wachsen Gerüchte. Der Stadtschrei(b)er versucht die Geschichte und den Status quo der Stadt Neumarkt am Wallersee und ihre Asylwerber zu beschreiben.

Seit 100 Jahren Flüchtlinge in Neumarkt
Der Zusammenbruch der Monarchie während des Ersten Weltkriegs brachte auch eine riesige Flüchtlingswelle aus Gebieten der östlichen Monarchie mit sich. Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina kamen auf ihrem Weg zum großen Lager in Niederalm (Gemeinde Anif) durch Neumarkt am Wallersee, wo sie zunächst für einige Zeit blieben. Auch in den Wirren Ende des Zweiten Weltkriegs war Neumarkt am Wallersee ein Sammel- und Aufenthaltsort für Personen, die vor den russischen Truppen im Osten Österreichs auf der Flucht waren.

Nach Jahrzehnten setzten gegen Ende des 20. Jahrhunderts abermals Flüchtlingsströme nach Österreich ein. Neumarkt am Wallersee übernahm abermals die Funktion als Aufnahmeort für Asylbewerber und 38 Personen mit Migrationshintergrund haben aktuell Unterkunft im Gasthof Gerbl gefunden.

Die Betreuung der anwesenden Asylwerber
Den Menschen, die aus ihrer Heimat flüchteten, weil sie in irgendeiner Weise dort bedroht wurden, kann man in Österreich nun aber sicherlich die oft jahrelange Wartezeit auf Erteilung oder Ablehnung ihres Aufenthaltsstatus nicht zum Vorwurf machen. Das ist wohl Sache der österreichischen Behörden. Auch, dass sie nicht arbeiten dürfen, obwohl sie es wollten, ist ihnen nicht vorzuwerfen. Neumarkt am Wallersee scheint jedoch gerade in der Betreuung von Personen mit Migrationshintergrund ein Lichtblick zu sein.

Im interkulturellen Garten bei der Gürtlervilla können Personen mit Migrationshintergrund ihr eigenes Gemüsebeet pflanzen, betreuen und ernten. Die Stadtgemeinde kann ihnen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten stundenweise Arbeit anbieten, zum Beispiel bei der Grünpflege in der Stadt, aber auch bei Veranstaltungen im Museum in der Fronfeste helfen sie immer wieder mit.

Paten für Asylwerber
Für einen Teil der in Neumarkt am Wallersee anwesenden Personen mit Migrationshintergrund haben sich auch Paten gefunden. Sie fördern das Deutschsprechen mit ihnen und sind für sie da, wenn es irgendwo zwickt. Es stehen also durchaus Personen aus angestammten Familien diesen Menschen wohlwollend und helfend zur Seite.

24 neue Flüchtlinge will die Landesregierung nach Neumarkt am Wallersee bringen
Wie das bisher Geschriebene zeigt, kann man in Neumarkt am Wallersee sicherlich nicht von Unwillen oder gar Feindlichkeit gegenüber Menschen in Not sprechen. Was aber die Menschen seit ein paar Tagen beunruhigt, ist die Information, dass weitere 24 Personen mit Migrationshintergrund in Neumarkt am Wallersee unterbracht werden. Dabei ist es neben der Anzahl auch der Ort der Unterbringung und die voraussichtliche Art der Betreuung.

Antonia Gerbl bietet Unterkunft und Verpflegung gewerbsmäßig an. Auch den Personen mit Migrationshintergrund in ihrem Gasthof. Das bedeutet, sie oder eine ihrer Mitarbeiter ist für die Menschen immer erreichbar, der Gasthof liegt zentral und die Personen mit Migrationshintergrund kommen durchaus mit anderen Menschen in Kontakt. Dem Stadtschrei(b)er winken manche Gerbl-Bewohner schon fröhlich zu, wenn sie ihn sehen, grüßen über den Zaun hinweg und sie sind für den Stadtschrei(b)er ein Teil der Stadt.

Landesrätin Martina Berthold hat auf Druck der Bundesregierung die Beherbergung von Personen mit Migrationshintergrund ausgeschrieben. Rupert Rieger aus Hallwang hat sich gemeldet und sein Haus in Neumarkt in der Feldgasse 28 angeboten. Es ist wohl ein von Größe und Ausstattung passendes Haus, wie der Stadtschrei(b)er gehört hat, aber abgelegen und gar nicht mehr im Stadtkern. Und die Betreuung macht den Anrainern Sorgen. Im Vertrag der Landesregierung mit dem Vermieter steht, dass pro Asylbewerber eine Person eine Stunde pro Woche anwesend sein muss. Also bei 24 Personen 24 Stunden, angemessen verteilt auf die Woche. Es sei auch dahingestellt, ob es ein Vor- oder Nachteil ist, dass diese Personen sich selbst verpflegen müssen. Also im Haus selbst kochen, was dem Vernehmen nach kein Problem sein sollte, gibt es doch drei Küchen im Haus.

Aber der Unterschied zu Gerbl ist eben doch, dass der Hallwanger Besitzer nicht rund um die Uhr selbst oder durch einen Mitarbeiter vertreten sein wird. So sind diese Menschen einen nicht unerheblichen Teil ihrer Zeit auf sich selbst angewiesen und das auch noch in etwas abseits gelegener Lage.

Eine kleinere Gruppe wäre vielleicht leichter möglich
Der Stadtschrei(b)er konnte noch nicht klären, ob beispielsweise im Gasthof Gerbl noch ein paar Betten möglich wären oder nicht. Jedenfalls wäre die Unterbringung einer kleineren Gruppe, der Stadtschrei(b)er hörte die Zahl so um zehn Personen, einfacher für die Stadtgemeinde. Dazu kommt auch noch die Unsicherheit, ob es sich um einzelne Personen oder Familien handelt. Denn da ist ja von der Unterbringung her auch ein Unterschied.

Kann die Stadtgemeinde die Einquartierung überhaupt verhindern?
Nein, die Zuteilung von Personen mit Migrationshintergrund erfolgt direkt von der Salzburger Landesregierung und die Stadtgemeinde hat weder Einspruchs- noch Mitspracherecht. Sie kann ihre Bedenken der Landesregierung mitteilen. Und das tat sie auch. Dem Stadtschrei(b)er liegt dieses Schreiben vor. Der Stadtrat hat sich in seiner Sitzung am 9. September 2014 gegen die Unterbringung weiterer Personen mit Migrationshintergrund in Neumarkt ausgesprochen. Aus den Gründen, dass von 168 Wochenstunden maximal 24 Stunden sich jemand um diese Menschen kümmern wird und weil Neumarkt am Wallersee seine Quote an Quartieren erfüllt hat.

Warum werden Personen mit Migrationshintergrund nicht auch in anderen Gemeinden untergebracht?
Auf diese Frage hat der Stadtschrei(b)er noch keine Antwort erhalten.

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s